Von Rüschlikon nach Paris, 1929
Brief von Olga Hotz an Lina Hot
Im Oktober 1929 reiste Lina Hotz mit einer Studiengruppe der Volkshochschule Zürich nach Paris. Während ihrer Abwesenheit führte ihre Schwester Olga den Laden in Rüschlikon allein weiter. In einem Brief berichtet Olga vom Alltag im Geschäft, von Kundschaft und Neuigkeiten aus dem Dorf und bittet Lina sogar, in Paris nach der aktuellen Schuhmode Ausschau zu halten. Der Brief zeigt, wie eng das Leben der Schwestern mit dem Laden verbunden war.
„Also, wie gesagt Du kannst seelenruhig fort sein. Der Wagen verkehrt im alten Geleise. Gestern Samstag z.B. war es am Morgen & Mittag sehr flau, aber so von 5 Uhr an hatten wir dann viel zu thun, Zwergli Kläer kaufte hohe Schuhe, & verschiedene Andere Finken etc. sodass mir der Abend wieder den ganzen Tag wett machte!“
„Bitte, schau jetzt auch ob man in Paris noch Rohgummisohlen trägt & ob Crêpe-Sohlen, oder schwarze Gummisohlen, die Nachfrage danach ist ziemlich rege, & immer fragen die Leute, ob es auch immer noch modern sei. Gestern habe ich zwei Paar verkauft.“
„Die Leute waren geduldig mit Warten, denn es ist jetzt wieder recht gemütlich i’s Hotze, weisst, seit dem 10. Okt. Heitzen wir im Laden.“

Sammlung: Ortsmuseum Rüschlikon